Namibia 2006

1. Reiseabschnitt: Farm Düsternbrook
 
Die Anfahrt zur Farm Düsternbrook, ca. 50km nordwestlich von Windhoek gelegen, gestaltete sich bereits als interessant, da wir zwei normalerweise trockene, jetzt aber wasserführende Flussbetten durchqueren mussten. Auf der Farm, die sich als älteste Gästefarm Namibias bezeichnet, werden Geparden und Leoparden in mehreren ha großen Gehegen gehalten. Deren tägliche Fütterung können Farmgäste von einem offenen Jeep aus verfolgen. Während die Geparden keinen besonders wilden Eindruck hinterließen, und sich bei Sichtung des Jeeps sofort Richtung Fressplatz bewegten, wurde die Leopardin Geena der Bezeichnung Wildkatze gerecht. Sie ließ den Jeep solange durch ihr Revier kurven, bis ihr der Fütterungsplatz genehm war und fauchte bedrohlich, wenn der Fleischnachschub nicht schnell genug kam. Wir hatten gehörigen Respekt vor dieser Leopardin.
Leopardin Geena
Neben den Wildkatzen bietet die Farm einige gut ausgeschilderte Wanderwege verschiedener Schwierigkeitsstufen. Außerdem gibt es auf dem Farmgelände diverse Wildtiere, wie Kudus, Steinböcke, Hartebeests, Giraffen, Zebras, Nashörner, Warzenschweine. Diese lassen sich bei einer Farmrundfahrt beobachten und fotografieren.
Nashörner

2. Reiseabschnitt: Lodge Amani

Von Düsternbrook aus fuhren wir über Windhoek zur Lodge Amani, die in 2100m Höhe auf dem Kupferbergpass gelegen ist. Die Lodge beherbergte bis vor kurzem das größte Amateurteleskop Namibias im Capella Observatory. Von der Lodge aus hat man einen fantastischen Ausblick, im Norden nach Windhoek und im Süden bis zum Gamsberg. Auch auf Amani gibt es ein Großkatzenprojekt. Es gibt ein viele haßes Gehege für ein Löwenpärchen, dass auf Amani aufgenommen wurde und sein Leben verbringen wird.
Schwarzmähnenlöwe
Ein ebenso großes Gehege beherbergt 5 junge Geparden, die alle ihre Mutter verloren haben und nun in einem Kleinrudel das Jagdverhalten lernen sollen. Diese sollen künftig auf einem Farmgelände von über 10000 ha ausgewildert werden, sobald die Umzäunung der Farm mit Wildzaun abgeschlossen ist. Die Fahrt im offenen Geländewagen zur Fütterung der Löwen und Geparden zählte zu den Höhenpunkten unseres Urlaubs. Auf Amani existiert ein drittes Gehege mit Leoparden, die wir allerdings nicht zu Gesicht bekamen.
Geparden auf Amani




Bei den Unterkünften auf Amani handelt es sich um Chalets am Südhang mit Blick auf das Löwengehege am Nachbarhügel und Gamsberg am Horizont. Die Mahlzeiten nimmt man in einem verglasten Lapa zu sich, das wie die ganze Lodge ein sehr stilvolles Ambiente bietet.

3. Reiseabschnitt Farm Kuzikus

Die Farm Kuzikus liegt etwa 200km südöstlich von Windhoek am Rande der Kalahari. Die Farm hat den Status eines privaten Wildschutzreservates und beherbergt auf ihrem Gelände Spitzmaulnashörner, die uns während unseres 3-tätigen Aufenthaltes leider nicht über den Weg liefen. Dafür sahen wir aber eine Herde von über 20 Giraffen, etliche Antilopen, wie Elands, Kudus, Stein-, Spring- und Blessblöcke, Streifen- und Weissschwanzgnus, Unmengen von Geiern etc.
Giraffenherde Ansammlung von Geiern
















2 Tage unseres Aufenthaltes verbrachten wir mit einem "Wildniskurs". In diesem erklärte uns Dieter der Farmer, die Spuren und Latrinen der Tiere zu lesen. Er gab uns Infos zum Verhalten jeder Tierart die wir sahen, wir lernten die verschiedenen Zaunarten zur Begrenzung der Farm kennen, das heimliche Anpirschen an ein Wasserloch (mit uns zwei Städtern allerdings erfolglos) und erfuhren einiges über die Vegetation auf der Farm.
Den Wildniskurs können wir jedem Besucher von Kuzikus nur ans Herz legen.

4.Reiseabschnitt: Astrofarm Tivoli

Nur etwa 80km von Kuzikus entfernt, liegt die Astrofarm Tivoli, die für die nächsten 7 Tage unser Zuhause werden sollte. Als wir gegen Mittag dort eintrafen, wurden wir zunächst herzlich von den Besitzern Kirsten und Reinhold Schreiber begrüßt. Nach Bezug unseres schönen Zimmers ging es an das Einrichten der Ausrüstung. Hier sei ein besonderer Dank an Rolf Scheffer, einem Freund der Familie Schreiber gerichtet, der uns tatkräftig unterstützte. Er entlastete damit Reinhold, den seine zweite Erwerbsquelle, die Karakulzucht gerade heftig beanspruchte. Meine Frau Annette bekam einen 10"-Dobson auf den Beobachtungsplatz gestellt und ich wurde in die Sternwarte mit dem C11 auf einer Atlux-Montierung eingewiesen. Außerdem brachte Rolf mit viel Erfindungsreichtum meine Russentonne, deren Fotogewinde beschädigt war, auf einer Platte neben dem C11 an.
C11 für Stephan Dobson für Annette
Im Laufe des Tages lernten wir die anderen Gäste kennen, mit denen wir Erfahrungen austauschten und nachfolgend eine schöne Zeit auf Tivoli verbrachten.
Gegen 17Uhr gibt es auf Tivoli in einem offenen Lapa das Abendessen, jeden Abend eine andere Köstlichkeit, so dass ab 18Uhr30 die Astronächte beginnen können. Leider funkionierte mein Off-Axis-Guider nicht wie vorgesehen, so dass ich nur durch die Russentonne oder das Kameraobjektiv fotografieren konnte. Also keine Galaxien, sondern Nebel und Sternhaufen waren fortan angesagt. Das C11 diente damit lediglich dem Guiden (mit Kanonen auf Spatzen) und dem Beobachten.
Annette hatte unterdessen in Manfred einen weiteren "Nur-Beobachter" gefunden, dermit C11 und TMB-APO ausgerüstet war. Da beide benachbart beobachteten hatten sie oft ein Objekt in allen Rohren eingestellt und verglichen die Wirkung verschiedener Okulare und Filter.
Aufgrund der Kälte - Temperaturen um und unter dem Gefrierpunkt - haben wir es draußen meist nur bis Mitternacht ausgehalten. Trotzdem bin ich mit meiner Fotoausbeute und Annette mit ihren Beobachtungen zufrieden.
Für die Astronomen, die den Tag nicht zum Nachschlafen nutzen, bietet Tivoli folgende Möglichkeiten: Stöbern in der astronomischen Bibliothek, Wandern über das Farmgelände inkl. Vogelbeobachtung (Lieblingsbeschäftigung von Manfred dem Birder), Rundflug mit einer Cessna oder ein Besuch der "Nachbarfarm" Kiripotib (ca. 20 km entfernt), wo Einheimische Rohwolle weiterverarbeiten, färben und zu Teppichen knüpfen und diese sowie auf der Farm erstellter Schmuck erworben werden können.
Langeweile kommt damit auf Tivoli gar nicht erst auf.
Die Gastfreundschaft der Schreibers, die Auswahl an Teleskopen und nicht zuletzt die Kameradschaft mit den anderen Gästen haben bei uns schnell die Erkenntnis reifen lassen:
Tivoli, wir kommen wieder !
Sternwarte mit Hypergraph Sternwarte mit C11