Bildbearbeitung (Deep Sky)

Im Folgenden möchte ich meine bevorzugte Vorgehensweise von der Aufnahme eines Deep Sky Objektes bis zum fertig bearbeiteten "Pretty Picture" vorstellen. Hierbei handelt es sich um eine Abfolge von Schritten, die ich bei den meisten Aufnahmen einsetze. Insbesondere bei der Nachbearbeitung hängt die Art und Reihenfolge der benutzten Methoden jedoch stark von der Qualität des Rohbildes ab.
 
Aufnahme
Meine derzeit bevorzugte Aufnahmekombination sieht folgendermaßen aus:
Ich fotografiere mit einer modifizierter Canon EOS 300D (Astro) durch den Pentax 75 SDHF auf einer Vixen GP-DX Montierung. Das Guiding erfolgt manuell durch ein 16mm Fadenkreuzokular am GSO 680 mittels Boxdoerfer MTS-3 SDI Steuerung.
Zur Kompensation des aufgehellten Himmels am Krefelder Stadtrand setze ich einen IDAS LPS2 Filter ein.
Im Normalfall fokussiere ich dann mit DSLR Focus.
Pro Objekt mache ich anschließend mindestens 10 aber möglichst mehr Aufnahmen (Lights) und speichere diese im raw-Format ab. Generell versuche ich dabei möglichst nicht mehr als zwei verschiedene Belichtungszeiten zu nutzen (z.B. 240s und 480s).
Für diese Belichtungszeiten mache ich dann ebenso viele Darks wie Lights, ebenfalls im raw-Format.
 
Rawkonvertierung und Kalibrierung
Hierzu setze ich die die Software Deep Sky Stacker ein:

1.) Optionen

Als erstes stelle ich unter Optionen die "Raw/Fits DDP Settings..." ein. Im Normalfall lasse ich die Koeffizienten bei "Colors Adjustment" auf "1" stehen. Bei "White Balance" hake ich keine der beiden Varianten an und bei "Bayer Matrix Transformation" wähle ich "Bilinear Interpolation" aus.

2.) Bilder laden und Registrierung
Dann lade ich die zu bearbeitenden Lights und Darks und wähle den Button "Check all" aus. Anschließend registriere ich die Bilder (Register checked pictures...).  Im Reiter "Advanced" wähle ich den "Star detection treshold" so, dass etwa 100 Sterne im Bild erkannt werden.
Als Ergebnis der Registrierung werden die Bilder in absteigender Güte tabellarisch aufgelistet. Ich betrachte hierbei vor allem die Spalten "Anzahl der Sterne", "Score" und "FWHM". Bilder, die bei "Anzahl der Sterne" und "Score" weniger als 80% vom Referenzbild oder einen schlechten "FWHM" aufweisen, schließe ich von der weiteren Bearbeitung aus.

3.) Stacken der Bilder
Zum Stacken der Bilder rufe ich den Button "Stack checked pictures..." und anschließend "Stacking parameters" auf. Als Überlagerungsmodus nehme ich den "Standard Mode".
Im Reiter "Light" wähle ich "Average" und "RGB Channels Background Calibration" als "Stacking Mode". Durch die RGB Hintergrundkalibrierung werden alle 3 Kanäle auf den gleichen Wert gebracht. Aus diesem Grund ist auch keine Einstellung eines Weissabgleichs erforderlich.
Im Reiter "Dark" wähle ich "Average" und "Hot Pixels detection and removal" als "Stacking Mode".
Im Reiter "Alignment" wähle ich "Automatisch" als Methode aus.
Im Reiter "Cosmetic" wähle ich "Detect and clean remaining Cold Pixels" mit den Parametern "Filter Size = 1px", "Detection Treshold = 50%" und "Replace pixel value with the median" aus.

4.) Speichern des Ergebnisses
Das gemittelte Bild speichere ich zusätzlich zum automatisch erzeugten "autosave-Bild" als 16Bit TIFF mit den Parametern "Compression = none" und "Do not apply adjustments to the saved image" ab.
 
Nachbearbeitung
1. Hintergrund abdunkeln und Objekt hervorheben
Ich lade hierzu das gemittelte Bild nach Photoshop. Das Bild erscheint zunächst sehr dunkel. Ich benutze nun die Gradationskurven um den Bildinhalt sichtbar zu machen. In einem ersten Schritt hebe ich den Kontrast erst einmal stark (Gradationskurve links) an, später zurückhaltender (Gradationskurve rechts).
Gradationskurve 1 Gradationskurve 2
Dies mache ich mehrmals hintereinander und korrigiere gegebenenfalls zwischendurch die Hintergrundhelligkeit mittels Tonwertkorrektur:

                             vor der Korrektur                                                                                nach der Korrektur
Tonwertkorrektur 1 Tonwertkorrektur 2
Das Ergebnis sieht dann beispielsweise wie folgt aus:

  M42 vor der Kontrastanhebung                                                                                    M42 nach der Kontrastanhebung
Bild vorher Bild nachher
2. Gradienten entfernen
Hierzu setze ich die Freeware Pixinsight LE ein. Mit dem Werkzeug "Dynamic Background Extraction" lässt sich der Hintergrund aus dem Bild extrahieren.
Dynamic Background Extraction
Im Reiter "Global" kann man die Anzahl der Messpunkte (Auto intervals) und den Radius des Messbereichs (Default sample radius) definieren. Ebenso kann man die Größe des Ergebnisbildes (Subsample output) festlegen. Nach Definition der Vorgaben werden über "Generate" bei "Auto intervals" die Messpunkte im Bild automatisch erzeugt.
Automatische Messpunkte


Um bestimmte Bildinhalte zu schützen, können die Messpunkte einzeln ausgewählt und gelöscht werden. Durch das Löschen der Messpunkte im Bereich der Galaxie ist sichergestellt, dass diese nicht in die Interpolation einbezogen wird, sondern die an die Galaxie angrenzenden Messpunkte die Interpolation bestimmen.
Durch Betätigen des unteren "Generate" Buttons wird nun der Hintergrund aus dem Bild extrahiert.
Manuell korrigierte Messpunkte
Maske

Das Ergebnis speichere ich als 16 Bit TIFF ab. Anschließend öffne ich das Hintergrundmodell und das Ausgangsbild in Photoshop. Ich kopiere das Hintergrundbild über das Ausgangsbild und setze anschließend noch die Helligkeit in dieser Ebene leicht herab. Das Ergebnis ziehe ich jetzt mit einer Deckkraft zwischen 80% und 100" vom Ausgangsbild ab und reduziere alles auf eine Ebene.
Bild mit Gradient
Bild mit entferntem Gradienten
Bild mit Gradient Bild mit entferntem Gradienten